Homepage des Worpsweder Schriftstellers Peer Meter _______________________________________________________________________________


Hier werden die beiden 2010 als Buch erschienen Graphic Novels Haarmann und Gift vorgestellt.

Ein kleiner Überblick über die geplanten Graphic-Novel-Projekte der kommenden Jahre findet sich unter "Vorschau".



Haarmann




Text und Szenario: Peer Meter, Storyboard und Zeichnungen: Isabel Kreitz
Hardcover, 17 x 24 cm, 192 Seiten, € 19,90,
ISBN 978-3-551-79107-8,
Carlsen Verlag.

Die französische Ausgabe erscheint im April 2011 bei Casterman, Paris.
Die spanische Ausgabe erschien im Oktober 2011 
bei Editiones La Cupula, Barcelona.

Haarmann wurde 2011 auf dem Internationalen Comicfestival München mit dem Münchner Comicpreis in der Kategorie Bester deutscher Comic ausgezeichnet.

Haarmann wurde 2011 auf der Frankfurter Buchmesse mit dem
Sondermann-Preis ausgezeichnet.

Ein kleiner Filmbeitrag über unsere Graphic-Novel Haarmann ist zu sehen auf http://www.youtube.com/watch?v=7Ix-ci1rKmc



                                   Horchen Se ma, wie det knackt, wie Putz hinter de Tapete runterjeschoddert kommt.
                                                                           Allens is hier morsch! Allens faulet Holz! Allens unterminiert,
                                                                                         von Unjeziefer, von Ratten und Mäuse zerfressen!
 
                                                                                                                         Gerhart Hauptmann
Die Ratten

Die Ereignisse um den Psychopathen Fritz Haarmann sind in ihren Dimensionen so einzigartig, dass sie als beispiellos in die europäische Kriminalgeschichte eingegangen sind.


(c) Isabel Kreitz/Carlsen Verlag

Haarmann, der ein Leben führte zwischen Zuchthaus, Freiheit und Irrenanstalt, wurde von der hannoverschen Polizei nicht nur als Spitzel beschäftigt, sondern auch mit einem Polizeiausweis ausgestattet, der ihm ungehinderten Zutritt zu den Wartesälen des Hauptbahnhofs ermöglichte. Nacht für Nacht durchstreifte er jene Wartesäle auf der Suche nach jungen, alleinreisenden Männern.


(c) Isabel Kreitz/Carlsen Verlag

Aufgrund des Polizeiausweises konnte er seinen Opfern vorspiegeln, Polizeiagent zu sein. Er führte sie in seine Wohnung, vergewaltigte sie und biss ihnen im Sexualrausch die Kehle durch. 24 Morde konnten ihm in einem Aufsehen erregenden Prozess nachgewiesen werden; die wirkliche Zahl seiner Opfer allerdings blieb im Dunkeln.


(c) Isabel Kreitz/Carlsen Verlag

Obgleich es über Jahre immer wieder Anzeigen gegen Fritz Haarmann gegeben hatte, griff die Polizei nicht ein, wurde dem Wahnsinn kein Ende bereitet. Ungehindert konnte Haarmann seinen mörderischen Trieb ausleben. Dass er mehrfach in einer "Irrenanstalt" eingesessen hatte, wo er von den Ärzten als "gemeingefährlicher Geisteskranker" eingestuft worden war, wurde in der hannoverschen Polizeibehörde lange Zeit nicht ernst genommen. Selbst als der Polizei bei Haarmann gefundene Fleischstücke überbracht wurden, mit dem Hinweis, dass es sich um Menschenfleisch handeln könnte, wurde man nicht aktiv, sondern ließ das Fleisch ohne nähere Untersuchung beseitigen.

  (c) Isabel Kreitz/Carlsen Verlag

Wie Planeten um eine Sonne, so kreisten und schmarotzten um Fritz Haarmann eine ganze Reihe Personen, die von seinem mörderischen Treiben nichts gewusst haben wollten aber jahrelang ihre Vorteile daraus zu ziehen verstanden. So betrieben sie einen schwunghaften Handel mit der Kleidung der Ermordeten und mit Fleisch, dessen Herkunft nie geklärt werden konnte.


Eine kleine Auswahl aus dem Pressespiegel zu Haarmann
(Einen umfangreicheren Einblick in die bisherige Rezeption von Haarmann gibt es unter
http://www.graphic-novel.info/?tag=peer-meter)
 


Thomas Hummitzsch schrieb in Die Berliner Literaturkritik:
(...) Diese Ermittler stehen in dem Szenario von Peer Meter und Isabel Kreitz anfangs auch in der Leine. Bis zu den Knien im Schlamm fischen sie unzählige Knochen aus dem trüben Gewässer. Was es genau für Knochen sind, lassen die düsteren Zeichnungen von Isabel Kreitz offen, aber dass es sich um Menschenknochen handelt, wird schon im ersten Bild deutlich. An dessen unterem Bildrand ragt ein Schädel aus dem Matsch, den einer der Polizisten angewidert ins Auge fasst, während sich im Hintergrund sein Kollege übergibt. Bewohner schauen aus den angrenzenden Häusern, Blicke voller Wut und Angst. Und während zahlreiche Polizisten das Flussbett der Leine nach weiteren Knochen durchsieben, bedrängt Fritz Haarmann einige Häuser weiter seinen Kompagnon Hans Grans in unzweifelhafter Manier. Diese ebenso unmittelbare wie unheimliche Nähe von Tod und Lust, die Meter und Kreitz auf den ersten Seiten ihres Kriminalcomics schaffen, zeigt ihr gesellschaftliches Tiefenverständnis am Fall Haarmann, das ihrem düsteren Werk zugrunde liegt.
I
n sieben Etappen erzählen Kreitz und Meter die Geschichte, mit der Hannover in die Analen der Kriminalgeschichte eingezogen ist. Dabei gelingt es ihnen nicht nur, den Fall als solchen umfänglich darzustellen, sondern sie nutzen kongenial die Mittel der Text-Bild-Sprache, um das herrschende Unwissen von Polizei und Bevölkerung zu Haarmanns Aktivitäten auch beim Leser – wider der Kenntnis des Ausgangs – aufrecht zu erhalten. Es bleibt immer nur beim Verdacht, lange Zeit gibt es keine konkreten Hinweise der Autoren für den Leser, dass das, was er die ganze Zeit ahnt, auch der Wirklichkeit entspricht. In grandioser Manier verwenden sie dabei die Mittel von Text und Bild, die nicht einfach nur nebeneinander stehen und sich gegenseitig bestätigen, sondern die die Semantik ihres Widerparts entweder auf ein Maximum erweitern oder auf ein Minimum reduzieren. Die atmosphärischen Bilder von Isabel Kreitz und Meters klare Texte besitzen nur eine Funktion: Sie heben vermeintliche Sicherheiten auf oder ermöglichen erst das spekulative Kino im Kopf des Lesers – und versetzen ihn damit in eine Stimmung aus „Das kann unmöglich sein“ und „Das muss doch jetzt jemand merken“. Dem Rezensenten scheint kein Medium für die Kreation solcher Effekte besser geeignet, als der Comic. Kreitz und Meter belegen diese Vermutung grandios.
Dies ist kein Wunder, denn Peer Meter und Isabel Kreitz verstehen ihr Handwerk und sind leidenschaftliche Recherchierer. Für die Schöpfung eines Augen öffnenden Kriminalcomics sind sie prädestiniert. Meter hatte bereits gemeinsam mit der Zeichnerin Barbara Yelin eine Kriminalgeschichte in Comicform adaptiert – die der Bremer Giftmischerin Gesche Gottfried in der viel beachteten grafischen Erzählung Gift (erschienen bei Reprodukt). Doch was fasziniert uns Leser an solchen Schauergeschichten? Es scheint die Tatsache, dass solche Verbrechen in der Mitte unserer Gesellschaften stattfinden. Diese Erkenntnis hinterlässt auch die tiefsten Spuren im kriminalsoziologischen Stammbaum. Eine große Rolle in dieser Haarmann-Erzählung spielt daher auch die gesellschaftliche Akzeptanz H
aarmanns, sein Doppelleben als Helfer in Krisenzeiten und skrupelloser Triebtäter. Denn während er Knaben in seine Wohnung entführte, um sie dort zu missbrauchen und zu zerstückeln, arbeitete er für die Hannoversche Polizei als Spitzel und belieferte seine Nachbarschaft mit günstigem Fleisch. Woher dieses stammte, wurde nie aufgeklärt. Kreitz und Meter lösen diese Frage ebenfalls nicht, auch wenn ihr Szenario die schreckliche Version des Menschenfleischhändlers nahe legt, der die Naivität seiner Kunden zu nutzen wusste.
Haarmann selbst äußerte sich in dem spektakulären Prozess dazu weder bestätigend, noch verneinend. Auf Verdachtsmomente, die es durchaus gab, ging die Hannoversche Polizei nicht ein – schließlich war Haarmann einer von ihnen. All diese Seitenwege der Geschichte werden in dem Comic weder über die Maßen ausgeschlachtet noch unter den Tisch gekehrt, sondern sie erhalten ihren Platz in dem Gesellschaftspuzzle, das den Fall Haarmann in seinen schrecklichen Ausmaßen erst möglich gemacht hat. „Haarmann“ ist somit in Anlage und Text-Bild-Realisierung nichts Geringeres, als eine kriminalpsychologische Studie in Text und Bild, die dem heutigen Anspruch einer solchen vollends nachkommt. In seiner tiefgründigen Analyse entpuppt sich „Haarmann“ als der Tatort unter den Crime-Comics.



Christian Schlüter schrieb in der Frankfurter Rundschau:
Wie fein, wie genau lässt sich mit dem Bleistift noch arbeiten? In einem Comic zumal? Die Hamburger Zeichnerin Isabel Kreitz schafft Bilder zu der Geschichte des Serienmörders Fritz Haarmann, die uns unerbittlich kein Detail ersparen. Kreitz zeichnet die letzten Monate des Serienmörders bis zu seiner Verhaftung nach. Erstaunlicherweise findet sie dafür aber keine düsteren Bilder, was bei dieser grausig-beklemmenden Geschichte nahe gelegen hätte. Vielmehr verlegt sich die Künstlerin ganz auf ihre Stärke: Während die Bleistiftzeichnung traditionell eher für das Skizzenhafte, Vorläufige und Unfertige steht, avanciert sie bei Kreitz zu einem penibel geführten Protokoll der historisch überlieferten Ereignisse. Und so entsteht im Comic die beklemmende Atmosphäre im Hannover des Jahres 1924 gerade nicht durch starke Hell-Dunkel-Kontraste oder eine bedrohliche, entweder das Grauen ankündigende oder alles Lebendige verschlingende Düsternis. Vielmehr ist es die unerbittliche Genauigkeit des Bleistiftstrichs, die uns Lesern kein Detail erspart. Die in kunstvoll gesetzten Grautönen erzeugte Oberflächigkeit – der Fassaden und Gesichter – zeigt alles. Es gibt kein bedrohliches Dahinter, kein Versteck, kein Dunkel: Haarmann lebt nicht im Verborgenen, sondern mitten unter uns, und zwar als Profiteur des Elends wie viele andere auch. Dieses Jahr ist mit „Gift“ bereits ein Comic erschienen, der sich einem Serienmord widmet (FR v. 13. März), in düsterem Schwarz-Weiß gezeichnet von Barbara Yelin und in Zusammenarbeit mit dem Worpsweder Schriftsteller Peer Meter. Als Szenarist hat Meter hat nun auch bei „Haarmann“ mitgewirkt. Angekündigt ist mit „Vasmers Bruder“ und den Zeichnungen David von Bassewitz’ bereits der nächste Fall... Es scheint so, dass sich gerade der Comic als historiografisches Medium bewährt. Er vermag sogar, noch genauer und eindringlicher als jene Wirklichkeit zu sein, die uns nur als Datensammlung überliefert ist. Das ist die Arbeit der Fantasie. Isabel Kreitz hat mit ihrer peniblen Bleistiftarbeit diesen Freiraum ihres Mediums, des Comics, voll genutzt. Man lasse sich also nicht von der Akkuratesse täuschen. In ihr findet die ästhetische Einbildungskraft doch erst ihre Vollendung. Dabei ist Kreitz zusammen mit Peer Meter gelungen, ein Kapitel deutsche Kriminalgeschichte in einem – was für ein Wort! – Comicroman zu verdichten.


Volker Hamann schrieb in Zack:
"Haarmann" ist ein herausragend in Szene gesetzer Comic-Roman; einer der besten der letzten Jahre.


Simon Benne schrieb in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung:
Es wird nie hell in dieser Stadt. Eine fast unerträgliche, beklemmende Düsternis liegt über den schmuddeligen, engen Gassen, die von Straßenjungen und Kriegsversehrten bevölkert werden. Niemand lacht, jeder kämpft auf irgendeine Weise. Diese Stadt ist mehr als eine Kulisse. Sie ist der heimliche Hauptakteur in dem Comic „Haarmann“ von Peer Meter und Isabel Kreitz. Die preisgekrönte Zeichnerin hat für ihre Geschichte die im Krieg zerstörte Altstadt Hannovers anhand historischer Fotos rekonstruiert – und Lücken kraft ihrer Phantasie geschlossen. Das Bild mag also nicht immer detailgetreu sein, doch Kreitz hat viel von der Atmosphäre des damaligen Elendsviertels aufleben lassen. Sie zeigt ein Quartier, das soziale Verwahrlosung nicht nur anzieht, sondern auch hervorbringt. Ein Milieu, in dem die gesellschaftliche Selbstkontrolle schnell versagt. Ein Umfeld, das einen Haarmann gebiert.
„So kahl wie in den Steinschluchten der Straßen sieht es auch in den Seelen der Menschen aus, die darin zu leben verdammt sind“, schrieb der hannoversche Philosoph Theodor Lessing mit Blick auf Haarmanns Viertel – Kreitz’ Zeichnungen illustrieren, wie er das gemeint haben könnte. In ungeschönten Bildern erzählt der Band die Geschichte des 1925 hingerichteten Serienmörders nach, der 24 junge Männer in seiner kleinen Dachwohnung missbrauchte, tötete, zerstückelte und ihre Leichenteile in die Leine warf. Die Bildsequenzen, die teils über ganze Seiten ohne Sprechblasen auskommen, wirken wie das Storyboard zu einem Film. Der Bleistift ist in Comics oft das Handwerkszeug fürs Halbdunkle. Ein Medium für Andeutungen, Skizzen, Verwischungen. Die Hamburgerin Isabel Kreitz zeichnet hingegen mit penibler Akkuratesse und klarem Strich. Da ist Haarmann beim Sex mit seinem Spießgesellen Hans Grans. Da sind die Polizisten, die im trockengelegten Flussbett der Leine nach Knochen suchen, oder die ausgemergelten Gesichter der jungen Herumtreiber, die Haarmann in Hannovers Hauptbahnhof anspricht. Man sieht ein geschwungenes Hackebeil, eine Fleischwaage, die Uniformen gewissenloser Polizisten – all das ist in Kreitz’ kontrastreichen Zeichnungen klar zu erkennen. Die Bilder sind nicht voyeuristisch, aber es bleibt nichts im Verborgenen. Auch das Böse nicht, denn der Mörder handelt praktisch vor aller Augen. Keiner seiner Nachbarn will so ganz genau wissen, was der Herr Haarmann treibt. Schließlich soll er ja sogar für die Polizei arbeiten. Alle kaufen ihm gerne billig Kleidung und Fleisch ab. Und am Ende will niemand von etwas gewusst haben. Das wirklich Beklemmende in diesem Comic ist nicht die alles verschluckende Düsternis, sondern gerade die Offensichtlichkeit, mit der das Böse am Werk ist. Haarmann ist einer von uns. Thomas Mann sprach vom „Bruder Hitler“. Hier begegnet man Bruder Haarmann – mit seiner Mischung aus kleinbürgerlicher Dumpfheit, bösartiger Bauernschläue und auch jener jovialen, ­etwas onkelhaften Gutmütigkeit, die Zeitzeugen ihm oft attestierten. Autor Peer Meter, der 1990 bereits einen anderen Haarmann-Comic herausgegeben hat, erzählt diesen Kriminalfall als Geschichte vom Wegsehen und von Obrigkeitshörigkeit. Er folgt damit einer langen Tradition, die in Haarmann ein Menetekel für die heraufziehende NS-Zeit sieht.


Matthias Hofmann schrieb auf Splashcomics:
Haarmann kann auf allen Ebenen punkten: die wahre Geschichte des Serienmörders aus Hannover wurde mit dem ein oder anderen fiktionalen Kunstgriff von Peer Meter ergänzt und in die Form einer extrem spannenden und höchst interessanten Geschichte gegossen. Isabel Kreitz‘ Kunst mit dem Bleistift so umzugehen, dass realistische Motive entstehen, macht die Lektüre des Comics zu einem beklemmenden, fesselnden Erlebnis  Hier wurde ein reißerisches Thema klug verpackt. Das macht Haarmann zu einem der Top-Titel 2010 aus der Text- und Zeichenfeder deutscher Comickünstler.


Am 13. Mai 2011 erschien bei Casterman die französische Ausgabe von Haarmann unter dem Titel:
Haarmann, le boucher de Hanovre





Sébastien Naeco schrieb in Le Monde
Le boucher de Hanovre en révélateur d’un temps perdu La collection écritures chez Casterman recèle de bien jolies choses et si l’album Haarmann Le Boucher de Hanovre ne peut guère être qualifié de joli dans le sens printanier du terme, il n’en demeure pas moins une fascinante et très réussie plongée dans le Hanovre du temps de la disette, ce début des années 20 qui marquait pour l’éphémère République de Weimar la honte et le sentiment de la défaite, lourdement sanctionnée, dans l’immédiat après-guerre. C’est dans ce cadre précis qu’un homme mûr, Fritz Haarmann, qui sera connu pour la postérité comme le Boucher ou le Vampire de Hanovre, tuait des jeunes hommes qu’il tentait au préalable de violer et dont il vendait les effets et, même si cela n’a jamais été dit officiellement sans doute pour éviter une psychose collective encore plus grande, les morceaux comestibles à sa logeuse, son coiffeur, les policiers, toute personne cherchant à améliorer leur ordinaire et trouvait dans le marché noir ces petits plus qui rendaient plus gai le repas du dimanche. Réalisé par deux auteurs allemands, la dessinatrice réaliste Isabelle Kreitz et le scénariste Peer Meter, Haarmann le Boucher de Hanovre touche juste car il s’applique à suivre le quotidien du tueur en série, sans fascination et à distance raisonnable (c’est-à-dire sans chercher par des effets de gros plans à le rendre “plus” humain), et décrit sans juger les faiblesses, compromissions voire l’incompétence des autorités. Alors qu’il avait été inquiété pour des disparitions à la fin des années 10, Haarmaan avait réussi à se faire enrôler comme veilleur les soirs à la Gare de train, et ce faisant il s’était trouvé détenteur d’une carte de police (!). Muni de ce précieux symbole d’autorité, il l’arborait auprès de ses futures victimes, jeunes adultes ou grands adolescents, tous en transit entre deux trains, qu’il prétendait aider le temps de quelques heures en leur offrant un café ou une soupe et en les entraînant chez lui pour les dépouiller et les assassiner. Son arrestation, apprend t-on en fin d’album, ne s’est pas vraiment déroulée comme raconté dans le livre, mais davantage que d’appliquer un strict respect de la chronologie, cette histoire met en lumière comme rarement les petitesses d’esprits plus soucieux de leur réputation et de leur carrière que de faire correctement leur travail de sécurité, même quand les signes sont évidents. Un des moments les plus extraordinaires est la scène où un médecin légiste imbu de sa personne se retrouve face à un morceau amené des réserves de Haarmann et ne sait pas reconnaître, parce qu’incrédule, de la viande humaine, la confondant avec du porc ! On se dit aussi que ce temps-là était parfait pour un homme comme Haarmann, roublard, avenant, sachant graisser les pattes, comme malheureusement, dans le même pays, le temps peu après s’est également trouvé parfait pour l’accession d’Hitler, réalisée sur le sentiment nationaliste exarcerbé et la volonté de revanche qui amènera à la chute de la République de Weimar et le début d’un nouvel âge des ténèbres.

         Einen ausführlichen Einblick in die Rezeption von Haarmann in Frankreich gibt es auf
                                         http://www.graphic-novel.info/?tag=peer-meter



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Gift





Text und Szenario: Peer Meter, Storyboard und Zeichnungen: Barbara Yelin.
Reprodukt, ISBN 978-3-941099-41-8, 200 Seiten, s/w,
Klappenbroschur, 20 x 25,5 cm Euro 20.- / sFr 35.50

Die französische Ausgabe erschien im April 2010
bei Actes Sud, Paris.
Die spanische Ausgabe erschien im Oktober 2011 bei Sins Entido, Madrid.

Gift war auf dem 14. Internationalen Comic-Salon Erlangen nominiert für den Max und Moritz-Preis in der Kategorie "Bester deutschsprachiger Comic".




 Im März 2011 erschien Gift in der Graphic Novel Edition
der 
Süddeutsche Zeitung Bibliothek.
Hardcover, 200 Seiten, sw, 14,90 €, ISBN 978-3-86615-870-2




Still, alles still, als wär die Welt tot.
Georg Büchner Woyzeck



(c) Barbara Yelin/Reprodukt

Eine junge Schriftstellerin erhält im Jahre 1831 vom Leipziger Verleger Brockhaus den Auftrag, eine Reisebeschreibung über die freie Hansestadt Bremen zu verfassen. Um Material für dieses Buch zu sammeln, begiebt sie sich auf die Reise nach Bremen, ohne zu ahnen, einen Tag vor der Hinrichtung der Giftmörderin Gesche Gottfried in der Stadt anzukommen

 (c) Barbara Yelin/Reprodukt

Sie trifft auf eine von der bevorstehenden Hinrichtung atmosphärisch aufgeheizte Stadt und ist vom ersten Augenblick an von Misstrauen umgeben. Ohne es zu wollen, wird sie tiefer und tiefer hineingezogen in eine Kriminalaffäre, die in ihren Dimensionen nicht zu erfassen ist. Je mehr sie aber erfährt über diese Gesche Gottfried, desto stärker zeigt sich nicht nur die Hilflosigkeit der Stadt im Umgang mit einer Serienmörderin, es wird auch deutlich, dass ihrer Gesellschaft, das Bremer Bürgertum, mit allen Mitteln versucht, eine Mitverantwortung an einer beispiellosen Mordserie zu verschleiern.


(c) Barbara Yelin/Reprodukt

Doch noch etwas anderes zeigt sich an dem Kriminalfall mit ungeheuerlicher Wucht: die Unterdrückung der Frau in einer von Männern beherrschten Welt. Und so meint unsere Schriftstellerin zu ihrem nicht geringen Schreck, Gemeinsamkeiten mit Gesche Gottfried zu entdecken, einer Frau, die in rücksichtsloser Schärfe gegen ihre Mitwelt vorgegangen ist.


(c) Barbara Yelin/Reprodukt




Eine kleine Auswahl aus dem Pressespiegel zu Gift
(Einen umfangreicheren Einblick in die bisherige Rezeption von Gift in Deutschland und Frankreich gibt es unter
http://www.graphic-novel.info/?tag=peer-meter)



Lars von Törne schrieb im Tagesspiegel:
Dunkle Wolken hängen über der Stadt. Der Himmel ist so bleigrau wie die Fassaden und die Gesichter der Menschen, die geduckt durch die Straßen eilen. Die Atmosphäre auf Barbara Yelins neuen Bildern wirkt bedrohlich und latent gewalttätig, auch wenn noch gar nichts Sichtbares passiert ist. Das ist die Kunst der Berliner Zeichnerin: Sie kann mit dem Bleistift intensive, vielschichtige Stimmungen erzeugen wie nur wenige andere Comic-Künstler. Ihre Bilder lassen frösteln oder stimmen nachdenklich, machen melancholisch oder vermitteln Geborgenheit, je nachdem, welche Stimmung die zu erzählende Geschichte erfordert. Ein düsteres Meisterwerk, erzählerisch packend und zeichnerisch komplex. 



Christian Schlüter schrieb in der Frankfurter Rundschau:
In Bildfolgen, die sich wie Kamerafahrten von den Dächern bis in die Straßenniederungen ausnehmen, tauchen wir in die Geschichte ein. Es sind zumeist dunkle Bilder, die gerade deswegen eigentümlich erleuchtet erscheinen. Yelin schafft von Licht durchflutete, durch Licht erst geschaffene, in das Dunkel gegrabene, dem Dunkel entrissene Räumlichkeiten. Yelins große Könnerschaft besteht in dieser kunstvollen Modellierung aus Licht. Dabei erinnert ihr ästhetisches Verfahren durchaus an Piranesis berühmte Kerkerbilder: kontrastreiche und theatralische Inszenierungen. Yelin findet auf diese Weise großartige Bilder der Erhabenheit noch im finstersten Schrecken.



Brigitte Preissler schrieb in der Welt:
Ein herausragender Comic betrachtet die Taten der Serienmörderin Gesche Gottfried durch die Brille der schwarzen Romantik. Die von rätselhafter Mordlust getriebene Gesche Gottfried ist von einer herrlich schauerromantischen " Aura des Sinnlosen" umgeben; ein ambivalenter Dämon, wie er auch einem Roman von E.T.A. Hoffmann entstammen könnte. Barbara Yelins eindringliche Bilder kommen seitenweise ohne Text aus, sie verstehen es, mithilfe vieler Verwischungen und Schraffuren, eine Atmosphäre universalen Grusels heraufzubeschwören. Und Bremen, Stadt der Schatten, bekommt in diesem herrlich morbiden Panorama genau die Mörderin, die es verdient.


Andrea Hanna Hünniger schrieb in der Zeit:
Treffsicher sind jedenfalls Peer Meter und Barbara Yelin, die pünktlich und nach jahrelanger, genauer Recherche zum 179. Todestag sowie dem 225. Geburtstag der Bremer Giftmörderin Gesche Gottfried und aus Anlass der letzten, in Deutschland vollzogenen Hinrichtung, mit ihrer Geschichte einen schwarzen Gedenk-Obelisken errichten. Die Hauptfigur, eine junge Schriftstellerin wird nach Bremen geschickt um eine Reportage über "die schöne Hansestadt" zu schreiben. Sie trifft stattdessen auf eine hoch nervöse Stadtgemeinde, die gerade erkennen musste, dass die gute Nachbarin von Nebenan über Jahre hinweg 15 Menschen umbrachte. Es ist ein seltsames Jahrhundert, durch das die junge Schriftstellerin da stolpert. Die alte Ordnung beginnt zu wanken. Religion gegen Wissenschaft, Bürger gegen Adel, Handwerksmeister gegen Fließband. Katholizismus gegen Psychologie. Und mitten auf der Schaukel, im schönen, sauberen Bremen, mordet eine Frau, jene Gesche Gottfried, die als Engel gilt, als Helferin, als Pflegerin Kranker und Schwacher. Sie kauft oft, auffällig oft Mäusebutter, also Schmand versetzt mit Arsenkugeln und bringt damit ihre Eltern, ihre drei Kinder, Ehemänner und Freunde um. Zu den Motiven wird sie später nach ihrer Festnahme nichts sagen. Sie wird mit Weihwasser bespritzt und mit Bibelsprüchen besungen. Die Verteidigung will ein psychologisches Gutachten. Zum ersten Mal plädiert die Verteidigung auf Schuldunfähigkeit. Das schizophrene Jahrhundert hat mit einer schizophrenen Frau zu tun. Peer Meter und Barbara Yelin zitieren in ihrer Graphic Novel aus den Verhörprotokollen, während das Bild, eine ganze sich gleichende Bilderfolge, ihr verdunkeltes, nicht eben böses, wohl aber von Haube und tiefen Falten verschattetes Gesicht zeigt, das erst durch ihre Worte einen Schrecken bekommt: "Allein der Gedanke, wieder Gift zu haben", sagt Gesche Gottfried in den Verhören, "machte mich so besonders zufrieden, was ich mir selbst nicht erklären kann." Wenn in den Zeichnungen, mitunter durch prügelhart aufs Papier gehauener Graphit, die junge Schriftstellerin, noch ganz im Gewand alter Zeiten mit vielen Röcken und gebundener Taille durch die unterirdischen Geheimgänge von Bremen geführt wird, nur eine Hoffnung von Kerze in die Dunkelheit glimmt, während die junge Frau die letzten Stufen wieder hinaufsteigt und in der Mittagssonne pünktlich zur letzten Hinrichtung in Bremen, im Jahr 1831, auftaucht – dann unterwandert sie nicht nur den ehrwürdigen Marktplatz und ehrwürdige, gierige, auf die Hinrichtung wartende Menschenmassen: Sie durchquert das ganze rumpelnde 19. Jahrhundert.


Katja Lüthge schrieb ebenfalls in der Zeit:

Zu überzeugen weiß auch "Gift", eine gerade erschienene Graphic Novel von Peer Meter und Barbara Yelin über die Hinrichtung der Giftmischerin Gesche Gottfried im Bremen des Jahres 1831. Eine Schriftstellerin, die bei Recherchen zu einem Stadtporträt auf diesen Fall stößt, versucht die Motive der psychisch kranken Mörderin zu ergründen – und wird mit einer Männerwelt konfrontiert, die ihr Urteil über die »böse Frau« schon längst gefällt hat. Bilder und Texte sind hier zu einer untrennbaren Einheit verbunden. Völlig zu Recht ist Gift als bester deutscher Comic für den Max-und-Moritz-Preis nominiert worden, der beim Internationalen Comic-Salon in Erlangen verliehen wird. Werke wie diese zeigen, dass der ambitionierte Geschichtscomic – mit Verspätung – auch in Deutschland angekommen ist.


Matthias Schmidt schrieb im Stern:
"Gift" lautet der treffende Titel des historischen Comic-Romans von Barbara Yelin und Peer Meter, der mit kunstvoll verwischten Bleistiftbildern die Schattenseiten einer Gesellschaft schildert, in der nicht sein kann, was nicht sein darf. Erschreckend gut.


Hightlightzone:
Dem Comic ist auf jeder Seite anzumerken, wie sorgfältig Meter recherchiert hat und wie gut er sich in der Materie auskennt. Der Leser ist ebenso begierig wie die Hauptfigur darauf, herauszufinden, wie es zu den Morden kommen konnte.


Splashcomics:
"Gift" ist schlichtweg ein für sich stehendes Meisterwerk der neunten Kunst. Die Parallelen zu Klassikern wie "From Hell" verweisen zwar auf eine Traditionslinie, jedoch erweitern Meter und Yelin durch ihre Graphic Novel auf ihre eigene Weise erzählerisch und graphisch die Grenzen des Comics.


Im April 2010 erschien die französische Ausgabe von Gift unter dem Titel
L`Empoisonneuse

                        Actes Sud, Paris. 22 Euro. Ausführliche Infos auf:
                    http://www.editionsdelan2.com/article.php3?id_article=305




Yves-Maria Labé schrieb in Le Monde:
Dans L'Empoisonneuse, Peer Meter raconte les jours précédant l'exécution de "la Gottfried" par le truchement d'une jeune écrivain chargée de rédiger un guide de voyage sur Brême. Celle-ci observe l'ambiance poisseuse et hystérique de la cité, côtoie des notables confits dans la misogynie et le conservatisme et prend le pouls d'une société néoconservatrice (Brême est alors une riche ville de la Hanse), incapable de supporter une atteinte à son image et d'admettre la différence, la maladie ou la folie. Aidé par le dessin au fusain et au crayon de papier de Barbara Yelin, ses traits simples et la riche alternance de plans, le scénariste Peer Meter, excellent connaisseur de l'histoire de Gesche Gottfried (il a signé une pièce théâtrale et un livre-enquête avant cette BD), ne néglige pas la complexité d'une époque sur laquelle règnent encore les ombres de Goethe, Novalis ou Heine. Ainsi, si les femmes sont considérées comme "intermédiaires entre l'enfant et l'homme", la tirade du président du tribunal, qui a condamné Gesche Gottfried, évoque avec une subtilité toute freudienne les méandres complexes de sa "personnalité". Comme si la modernité du XXe siècle était déjà en gestation dans la vie de cette femme et son procès, dont L'Empoisonneuse offre une vision passionnante.


Ein paar weitere Stimmen aus Frankreich:

« Le scénariste et la dessinatrice ont puisé dans une page sombre du passé de la ville de Brême l’argument d’une réflexion sur la place de la femme au XIXème siècle. » France Info

« Une évocation puissante des angoisses qui minent la société allemande au début de l’industrialisation (...), une plongée dans l’inconscient torturé de tout un pays... » Livres Hebdo

« Un roman graphique prenant. » bdselection.com

« Ce célèbre fait divers allemand (...) est sublimé par le dessin crayonné, souple et expressif, de Barbara Yelin... Un génial roman graphique qui témoigne d’une époque où s’affrontaient idées libérales et conservartisme réactionnaire. » Page

« Dans un joli nuancier de gris réalisé au fusain et au crayon de papier, le dessin de Barbara Yelin trouve des angles de vues originaux pour illustrer cette froide et humide descente aux enfers. » Mowno.com

« Brême, ses habitants, la société du temps semblent tout droit sortis d’un film de Dreyer ou de Murnau. » Lire

« ... un récit subtil et fascinant autour de l’une des plus grandes criminelles d’Outre-Rhin. » dBD

« Ce fragment d’histoire reste gravé dans nos esprits... » Bdcaf’mag

« L’un des meilleurs romans historiques en bande dessinée de ce premier semestre 2010 ! » bdzoom.com

« Un véritable tour de force graphique. Voilà ce qu’est, d’abord, ce pavé de près de 200 pages. Il est mis en images par l’Allemande Barbara Yelin, qui fignole au crayon des cases vertigineuses, des portraits de Gesche Gottfried, vues de la ville ou scènes de foule impressionnantes. Elle est visiblement très inspirée par le scénario de Peer Meter (...). Leur travail commun aboutit à un ouvrage étourdissant, fascinant, glaçant. Terriblement maîtrisé et efficace. » bodoi.info